Delhi ist eines der lautesten und chaotischsten Reiseziele, die man in Indien erleben kann. Überall kämpfen sich Menschen, Tuk-Tuks, Fahrräder, hupende LKW und Autos durch verstopfte Straßen und Gewürzaromen mischen sich mit staubiger Luft. Delhi ist stressig! Aber genau der Mix aus Chaos und Kultur macht die Stadt so einzigartig. Eine Metropole voller Gegensätze: Alt trifft Neu, Tradition trifft Moderne und Stille trifft Trubel.
Delhi – Grundsätzliches & Geschichte
Delhi ist nicht nur Hauptstadt Indiens, sondern auch eine der ältesten durchgängig besiedelten Städte der Welt. Schon vor über 2.000 Jahren entstanden hier erste Siedlungen, und im Laufe der Zeit wurde die Stadt mehrfach zerstört und neu aufgebaut. Heute setzt sich das Gebiet aus Old Delhi und New Delhi zusammen – historisch gewachsene Viertel mit engen Gassen, Moscheen und Basaren sowie breite Boulevards, Parks und Regierungsgebäude aus der Kolonialzeit. Delhi war Sitz mächtiger Herrscher, darunter der Mogul-Kaiser und später des britischen Kolonialregimes. Diese Geschichte ist in vielen Bauwerken der Stadt spürbar und macht Delhi zu einem faszinierenden, vielschichtigen Reiseziel, in das wir 4 Tage eintauchten.
Was macht Delhi einzigartig?
Delhi haute uns fast um. Eine Stadt der Extreme, wie wir sie noch nie erlebt hatten. Chaotisch, bunt, laut, voller Gerüche, Farben und Menschen. Die Straßenmärkte wie Chandni Chowk sind legendär für Gewürze, Streetfood und Textilien. Gleichzeitig zeigt Delhi in seinen Parks und monumentalen Bauten wie India Gate oder dem Humayun-Mausoleum die ruhige Seite seiner Geschichte. Delhi bietet Museen, Moscheen, Parks, Streetfood-Kultur und moderne Kunst. Es ist ein Ziel, das für Reisende mit offenem Kopf und Sinn für Kontraste besonders beeindruckend ist.
Highlights & Sehenswürdigkeiten in Delhi
Chandni Chowk Area
Chandni Chowk ist Delhis berühmtester Markt im alten Stadtzentrum und war unser Ziel am ersten Tag unseres Aufenthaltes. Hier winden sich enge Gassen, Rikschas, Händler und Stände durch das Viertel. Überall duftet es nach frisch gebratenem Streetfood, Chai und Gewürzen. Hier erlebten wir das Alltagsleben der Einwohner, sahen alte Tempel und traditionelles Handwerk. Der Barbier rasiert am Straßenrand und daneben pfrimelt der Ohrenputzer einem Kunden mit Gegenständen im Ohr herum. Der Chilli-Gewürzmarkt ist ein Erlebnis. Durch dunkle Treppenhäuser geht es ins obere Stockwerk wo riesige Mengen an Chillies in Säcker verpackt auf Käufer warten. Der Geruch beißt in der Nase und die Augen tränen. Besonders abends ist es voll und lebendig, mit blinkenden Lichtern und Stimmengewirr. Chandni Chowk verbindet Geschichte mit lebhafter Gegenwart. Die Gegend ist ein Muss für alle, die echtes Delhi erleben wollen.
India Gate
Das India Gate ist ein 42 Meter hohes Kriegsdenkmal im Zentrum von New Delhi. Es wurde zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs erbaut und erinnert heute an indische Soldaten. Umgeben von weiten Rasenflächen ist es ein beliebter Treffpunkt für Spaziergänge und Picknicks. Besonders am Abend leuchtet das Tor im warmen Licht und zieht Einheimische wie Reisende an. Der Ort verbindet Geschichte, Architektur und legere Freizeit.
Humayun’s Tomb & Arab Serai
Das Humayun-Mausoleum ist UNESCO-Weltkulturerbe und gehört zu den eindrucksvollsten historischen Stätten Delhis. Der Grabkomplex wurde im 16. Jahrhundert errichtet und gilt als Vorbild für spätere Mughal-Bauten, darunter das Taj Mahal. Umgeben von weitläufigen Gärten liegt der Hauptbau majestätisch zwischen Wasserläufen und Pavillons. In der Nähe befinden sich kleinere Mausoleen und Ruinen – zusammen als Arab Serai bekannt. Der Park ist ideal für einen ruhigen Spaziergang und liefert großartige Fotomotive.
Agrasen ki Baoli
Agrasen ki Baoli ist eine alte Wassertreppe und ein faszinierendes Relikt der Vergangenheit mitten im modernen Delhi. Die steinernen Stufen führen tief in die Erde und schaffen einen überraschend kühlen, stillen Ort abseits des Straßenlärms. Die Architektur ist schlicht und doch eindrucksvoll, mit regelmäßigen Nischen und Schatten. Heute ist der Baoli ein beliebter Spot für Fotografen und Ruhesuchende. Sein geheimnisvoller Charakter macht ihn zu einem echten Highlight. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war es mäßig besucht, sodass dieses Bild möglich war. Allerdings war es auf den Stufen oberhalb schon dicht besetzt.
Yamuna Ghat
Der Yamuna Ghat ist einer der Uferabschnitte des mächtigen Yamuna-Flusses. Hier trifft man Einheimische beim Baden, Beten oder einfach beim Sitzen am Wasser. Morgens und abends ist das Licht besonders schön für Fotos. Viele Pärchen kommen hier her, um romantische Bilder zu machen. Bei unserem Besuch war es hier ziemlich dreckig. An einer Stelle wurden Kuhfladen getrocknet an anderer wusch man sich. Überall Plastiktüten, leere Flaschen sowie sonstiger Müll und das Wasser roch ziemlich übel. Dennoch vermittelt der Ort einen authentischen Eindruck des indischen Lebens. Auch spirituelle Zeremonien lassen sich hier erleben. Der Fluss selbst ist ein bedeutender Teil der indischen Kultur und Geschichte.
Lodhi Gardens
Die Lodhi Gardens sind eine weitläufige Grünfläche im Herzen Delhis. Hier stehen alte Grabmäler aus dem 15. Jahrhundert zwischen gepflegten Rasenflächen, Blumen und Spazierwegen. Jogger, Spaziergänger und Familien treffen sich am frühen Morgen oder am späten Nachmittag. Die Mischung aus Natur und Geschichte macht die Gärten zu einer friedlichen Oase im Großstadttrubel. Besonders im Winter, wenn das Wetter mild ist, ist ein Besuch sehr angenehm.
Qutb Minar
Der Qutb Minar ist ein imposanter Backstein-Minarettturm im Süden Delhis. Mit über 70 Metern Höhe ist er eines der markantesten historischen Bauwerke der Stadt. Seine kunstvoll dekorierten Fassaden zeigen frühislamische Architektur auf höchstem Niveau und haben uns begeistert. Der Turm steht im Qutb-Komplex, der weitere alte Bauwerke und Ruinen umfasst. Der Platz gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und erzählt von der Zeit der Delhi-Sultanate im 12. Jahrhundert, was man auch an den Besucherzahlen bemerkt.
Safdarjung’s Tomb
Safdarjung’s Tomb ist ein Mausoleum aus dem 18. Jahrhundert und ein Beispiel für späte Mughal-Architektur. Der Bau ist aus hellem Sandstein errichtet und liegt innerhalb einer klassischen Gartenanlage. Hier findet man ruhige Wege, Wasserbecken und Pavillons. Weniger überlaufen als andere Sehenswürdigkeiten zeigt dieser Ort die subtile Schönheit historischer Grabstätten. Besonders am Nachmittag sorgt das Licht für ein stimmungsvolles Ambiente.
Hauz Khas Village
Das Hauz Khas Village kombiniert alte Ruinen mit modernem Stadtleben. Um einen mittelalterlichen Wassersee und archäologische Überreste gruppieren sich heute Cafés, Boutiquen und Galerien. Abends pulsiert das Viertel mit Livemusik, Streetfood und jungem Flair. Hier trifft Geschichte auf kreative Urbanität. Besonders für Fotografie, Essen und entspanntes Flanieren ist dieser Spot sehr beliebt.
Übernachtung: The Imperial New Delhi & „The Spice Route“
Mitten in Delhi liegt das legendäre The Imperial New Delhi – ein Hotel, das koloniale Eleganz mit modernem Komfort verbindet. Wir wohnten dort 3 Tage und waren beeindruckt von der stilvollen Einrichtung, dem exzellenten Service und dem ruhigen Ambiente, das eine perfekte Oase zum Erholen nach einem Tag voller Eindrücke ist. Im Hotel gibt es das Restaurant The Spice Route, das mit seiner asiatischen Küche, außergewöhnlichem Design und herausragendem Service begeistert und zu dem wir auch eine Kritik auf Gourmet-Report schrieben. Die Gerichte sind kunstvoll, aromatisch und erzählen kulinarisch von Südostasien bis Südindien. Unser Besuch dort war ein Erlebnis für alle Sinne und bleibt uns sicher noch lange im Gedächtnis.
Wie komme ich nach Delhi?
Delhi ist sehr gut angebunden. Der Indira Gandhi International Airport (DEL) empfängt Flüge aus Europa, Asien und dem Nahen Osten. Von dort kommt man schnell mit Taxi, App-Ride oder Metro ins Stadtzentrum. Delhi ist außerdem ein wichtiger Eisenbahnknoten mit Verbindungen in ganz Indien. Internationale Zugverbindungen existieren über Land nach Nepal und früher auch Pakistan. Innerhalb der Stadt ist die Metro eines der effizientesten Verkehrsmittel, um Staus zu umgehen.
Wetter & beste Besuchszeit
Delhi hat extremes Klima: Sommer ist sehr heiß (bis über 40 °C), Monsun bringt von Juni bis September Regen und Winter ist kühl und trocken. Die beste Zeit zu reisen ist von Oktober bis März, wenn das Wetter angenehm ist, die Luft klarer und die historischen Orte am besten zu erkunden sind. In diesen Monaten ist auch die lokale Festivalsaisonaktiv, z. B. Republic Day Parade im Januar.
Fazit
Delhi ist kein klassisches Postkarten-Reiseziel. Es ist laut, dicht, intensiv und voller Farben. Aber genau das macht die Stadt so besonders. Geschichte ist hier allgegenwärtig: auf Märkten, in Mausoleen und zwischen Wolkenkratzern. Delhi ist eine Metropole, die Herausforderung und Faszination zugleich bietet – und jeden Besuch unvergesslich macht.



















