Sanfter Tourismus und nachhaltige Entwicklung

Keine Armut, kein Hunger, faire Arbeitsbedingungen, weniger Ungleichheit und Schutz der Ökosysteme. Das sind nur einige Handlungsfelder von insgesamt 17 Zielen der Agenda 2030, bei denen nachhaltiger Tourismus einen positiven Beitrag leisten kann. Von der An- und Abreise, der Dauer, über Unterkunft und Verpflegung bis zu den Aktivitäten am Urlaubsort, können wir einiges tun um diese Ziele zu unterstützen. Besonders im Hinblick auf den Klimawandel gilt: Egal, ob eine Pauschal- oder Individualreise gebucht wird, alle einzelnen Bestandteile einer Reise wirken sich auf die Klima- und Umweltbilanz des gesamten Urlaubes aus. In diesem Nachhaltigkeits-Special wollen wir Euch einen kleinen Einblick geben.

Was ist die Agenda 2030

Im September 2015 verabschiedeten die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Mit der Agenda hat sich die Weltgemeinschaft 17 Ziele (Sustainable Development Goals, SDGs) für eine wirtschaftliche, soziale und ökologisch nachhaltige Entwicklung gesetzt.

Die Ziele sind universal und für alle Länder gleichermaßen gültig. Von der Beseitigung des weltweiten Hungers über die Stärkung von nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Produktion bis hin zu Vereinbarungen für den Klimaschutz soll so die Lebensqualität der Menschen quer über den Globus verbessert werden.

Quelle: Bundesregierung | Sustainable Development Goals

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit am Beispiel Tourismus

Das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung geht davon aus, dass dauerhafte Nachhaltigkeit nur durch die Beachtung von sozialen, umweltbezogenen und wirtschaftlichen Handlungsfeldern erreicht werden kann. Nur dadurch kann die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft sichergestellt und verbessert werden. Die drei Handlungsfelder sind dabei voneinander abhängig.

Soziale Nachhaltigkeit

Die eigene Reise bedeutet für die Menschen am Urlaubsort Arbeit. Das ist gut aber wichtig dabei ist auch, dass es sich um faire Arbeit handelt, die Arbeitsgesetze eingehalten werden, Minderheiten nicht benachteiligt und Kinder geschützt werden.

Ökologische Nachhaltigkeit

Ökologische Nachhaltigkeit im Tourismus bedeutet beispielsweise, dass Umweltschutz, Naturschutz und Biodiversität beachtet werden. Zudem muss ein schonender Umgang mit Ressourcen und vernünftiges Recycling erfolgen. Ökologisch ausgerichtete Betriebe beziehen ihre Energie z.B. aus umweltfreundlichen Quellen, achten auf umweltfreundliche Materialien für Gebäude und Ausstattung und gestalten insektenfreundliche Gartenanlagen.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Die Ökonomische Nachhaltigkeit im Tourismus sorgt beispielsweise dafür, dass Arbeitsplätze in den Urlaubregionen langfristig gesichert und ausgebaut werden können. Dazu ist es zwingend notwendig, dass das Geld auch bei den Menschen und Anbietern vor Ort ankommt. Erst das macht es möglich, dass längerfristige Investitionen getätigt werden können und die Wirtschaft stabil bleibt.

Nachhaltiges Reisen als Bereicherung

Die Zeiten in denen Nachhaltiger Tourismus als weniger komfortabler Urlaub galt, sind definitiv vorbei. Luxusurlaub und nachhaltiges Reisen müssen nicht im Widerspruch stehen. Bereits das Umdenken im Sinne der Nachhaltigkeit stellt eine persönliche Bereicherung dar, denn es regt dazu an, die eigene Reiselust genauer zu hinterfragen. Was will ich, was benötige ich und was erwarte ich in und von meinem Urlaub?

Urlaub maßgeschneidert auf die persönlichen Bedürfnisse

Die meisten Reisenden wollen vom Alltag abschalten, sich erholen und verwöhnen lassen, suchen die Begegnung mit Menschen außerhalb des gewohnten Umfeldes oder auch seelischen Ausgleich. Für all das muss man nicht unbedingt den Kontinent wechseln. Beispielsweise kann auch eine Wanderung oder eine Radtour von der eigenen Haustür aus zu einem erfüllenden Erlebnis werden. Vor allem für diejenigen, die gern neue Reisearten und Urlaubsziele ausprobieren, entpuppt sich nachhaltiges und klimaverträgliches Reisen als echter Gewinn.

Manchmal ist der Weg das Ziel

Warum nicht den Weg wortwörtlich zum Ziel machen? Bei der Anreise mit dem Zug kann man sich die landschaftlich schönsten Routen aussuchen und so die Fahrt besonders genießen. Auch eine Anreise mit dem Bus oder sonstigen öffentlichen Verkehrsmitteln tragen dazu bei den CO2-Fußabdruck zu verringern und trotzdem anzukommen. Zu beobachten, wie sich die vorbeiziehende Landschaft auf dem Weg verändert, entspannt und hält Überraschungen bereit. Lasst Euch für die Anreise genügend Zeit und stresst Euch nicht. So wird die Anreise bereits Bestandteil des Urlaubs und ist nicht bloß Mittel zum Zweck.

Nachhaltiges Reisen bedeutet Entschleunigung

Das Zauberwort heißt Entschleunigung. Sich Zeit zu nehmen lohnt sich, denn durch entschleunigtes Reisen können Umweltbelastungen durch An- und Abreise reduziert und Nerven geschont werden. Wer seine Urlaubsregion nicht ausschließlich zu Fuß oder mit dem Rad erkunden möchte, der kann auch im Urlaubsort die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen oder nach passenden Mietwagen Ausschau halten. Das ist allemal besser als die Anreise und die Ausflüge mit dem eigenen Wagen durchzuführen.

Urlaubsengel: Verhältnis Distanz zu Reisedauer

Was, wenn es doch mal weiter weg sein soll?

Der Anteil der CO2-Emissionen der Luftfahrt am weltweiten CO2-Ausstoß beträgt je nach Quelle zwischen 3 und 5 Prozent. Natürlich wäre es sehr löblich aus diesem Grund nicht zu fliegen. Will man aber auf bestimmte Destinationen nicht verzichten, ist eine Flugreise manchmal unumgänglich. Grundsätzlich kann man sich an folgenden Regeln orientieren:

Nur Fliegen, wenn es nicht anders geht

Flüge im Inland sollten aus Umweltgründen vermieden werden. Allein ein Inlandsflug von München nach Berlin verursacht durchschnittlich etwa 280 kg CO2 pro Person. Eine Zugfahrt über die gleiche Strecke verursacht nur 34,4 kg CO2. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Bahnhöfe meist im Stadtzentrum liegen. Die Flughäfen sind in der Regel außerhalb der Stadt, sodass zusätzlich noch eine Fahrt mit dem Taxi oder der Bahn nötig wird. Eine bedeutende Zeitersparnis hat man durch einen innerdeutschen Flug meist auch nicht.

Auf ein angemessenes Verhältnis zwischen Reisedistanz und Reisedauer achten

Auch wenn die Flugpreise es erlauben, ist es ökologisch gesehen katastrophal, für einen einwöchigen Strandurlaub um die halbe Welt zu fliegen oder für ein Shopping-Weekend nach New York. Für die, die es besser machen wollen: Unter der Annahme, dass der Reisezweck für Euch einen echten Mehrwert darstellt, kann folgende Faustregel zum Einsatz kommen: Je entfernter das Reiseziel und länger der Aufenthalt, desto besser wird der Flug genutzt. Das heißt, dass z.B. die Anreise bei Zielen in einem Radius von 800 Kilometern am besten mit der Bahn erfolgt. Bei Zielen, die mehr als 800 km entfernt sind, sollte der Aufenthalt bei Anreise mit dem Flugzeug mindestens eine Woche betragen, bzw. zwei Wochen oder mehr, wenn der Zielort über 3800 km entfernt liegt.

Flugreisen als seltene touristische Höhepunkte

Aus den zuvor genannten Gründen ist es eigentlich logisch, dass größere Fernreisen mit dem Flugzeug seltene Höhepunkte sein sollten, die man am Urlaubsort umso länger auskostet. Den Flug solltet ihr klimakompensieren. Hierbei werden die bei Eurem Flug anfallenden CO2-Emission errechnet und andernorts durch ein Klimaschutzprojekt kompensiert. Die zusätzlichen Kosten für einen Flug von Frankfurt nach Kapstadt und zurück liegen bei ca. € 140,-. Das ist ein Betrag, den man sich bei den derzeit günstigen Flugpreisen leisten kann. Mehr zur Klimakompensation erfahrt ihr in unserem Klimaschutz-Special. Bei Klimakompensation arbeiten wir mit Atmosfair. Laut einem Test der Stiftung Warentest schnitt dieser Anbieter bzgl. Qualität, Transparenz sowie Leitung & Kontrolle am besten ab.

Achte auf Fluggesellschaft und die Art des Fluges

Trotz gleicher Entfernung kann sich die Umweltbelastung durch einem Flug deutlich unterscheiden. Hierbei spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Der Flugzeugtyp: Aufgrund des unterschiedlichen Treibstoffverbrauchs der Flugzeuge.
  • Die Flugart: Charterflüge sind gegenüber Linienflügen meist voll ausgebucht und somit effizienter.
  • Die Sitzklasse: Eine große Business-Class verschlechtert die Gesamteffizienz des Flugzeugs

All diese Werte kann man im Atmosfair-Rechner ermitteln und so seinen Flug optimieren. Auch weitere Faktoren beeinflussen die Nachhaltigkeit eines Fluges. So geben manche Airlines Plastikbesteck und üppig verpacktes Fastfood aus, andere arbeiten mit wiederverwendbarem Metallbesteck und Geschirr. Auch die Menge des Gepäcks ist relevant. Jedes zusätzliche Kilogramm Gewicht, erhöht die Menge des CO2-Ausstoßes. Hier lohnt es sich also im Vorfeld etwas genauer hinzusehen.

Verhalten vor Ort

Auch durch das eigene Verhalten vor Ort kann man einiges zur mehr Nachhaltigkeit beim Urlaub beitragen. Das gelingt unter Anderem, wenn Reisende darauf achten, dass die Ansprüche an Komfort die ohnehin knappen Ressourcen vor Ort nicht weiter gefährden. Das trifft beispielsweise auf Länder mit chronischem Wassermangel zu. Bei der Wahl der Unterkunft könnt ihr auf Ökosiegel, Energiesparmaßnahmen und Recycling achten. Auch die Klimaanlage muss nicht rund um die Uhr laufen. Ein weiterer positiver Beitrag kann eine regionale oder vegetarische Küche sein.

Urlaubsengel Ratgeber | Nachhaltiges Reisen & sanfter Tourismus

Beispiel: Nachhaltiges Reisen auf Mallorca?

Unter den Tipps von Atmosfair zum klimafreundlichen Reisen wird zum Beispiel beschrieben, wie Sie ganz ohne Flug nach Mallorca kommen. Den wenigsten ist bewusst, dass die Insel relativ einfach mit Bahn und Fähre erreicht werden kann. Sie haben die Wahl zwischen verschiedenen Verbindungen: Entweder über Südfrankreich an der Mittelmeerküste entlang, oder z.B. von Zürich über Paris nach Barcelona, wo es schließlich mit der Fähre nach Mallorca geht. Auf der Insel gibt es bereits viele nachhaltig geführte Fincas, Hotels & Pensionen. Hier achtet man bspw. auf den Einsatz von Photovoltaik und Windgeneratoren anstatt der alten Dieselmotoren. Um die Insel zu erkunden kann man öffentliche Verkehrsmittel nutzen, ausgiebig wandern, Carsharing-Angebote nutzen oder auch Fahrräder leihen.

Mallorca ist ein Paradies für Radfahrer

Übrigens ist Mallorca hervorragend für Fahrradfreunde geeignet! Räder können mitgebracht oder gemietet werden und sowohl für den schnellen Ritt auf dem Rennrad als auch für die Tour mit dem Mountainbike finden sich zahlreiche Strecken. So lassen sich Tagesausflüge als Highlights planen, oder auch ganze Fahrradurlaube. Und das in herrlich mediterranem Klima.

Nachhaltiges Reisen: Wir unterstützen Euch bei der Planung

Grundsätzlich ist es sinnvoll darauf zu achten, dass die Reise der Bevölkerung am Urlaubsort möglichst großen Nutzen bringt. Einheimische Unterkünfte und Dienstleistungen durch Bewohner vor Ort sind richtige Alternative zu internationalen Hotelketten, bei denen bekanntermaßen Großkonzerne vom Tourismus profitieren. Wer Land und Leute authentisch und auf Augenhöhe kennenlernen möchte, den beraten wir hierzu gerne und erarbeiten individuelle Reisepläne.

Wir bei Urlaubsengel arbeiten mit vielen kleinen Partnern in den Urlaubsländern direkt zusammen. Das bedeutet, dass das Geld direkt bei den Menschen vor Ort – oftmals Familienbetriebe – ankommt. Mit diesem Geld können die Partner ihre eigene Existenz sichern und auch faire Löhne an ihre Mitarbeiter zahlen. Soweit es geht, versuchen wir ohne zwischengeschaltete Reiseveranstalter zu arbeiten.

Einheimische Unterkünfte und Dienstleistungen als Alternative zu Hotelketten

Beispiel Sri Lanka

Bei einer Reise nach Sri Lanka bietet wir mit unserem Kooperationspartner „Chauffeur Sri Lanka“ ganz individuelle Aufenthalt abseits des üblichen Tourismus an. Bei dem Familienunternehmen in Negombo (Colombo) kann man im top gepflegten Homestay wohnen, an Kochkursen der Schwiegermutter teilnehmen oder mit Hiran, dem Chef von Chauffeur Sri Lanka und seinem Team die Insel erkunden. Diese Inseltouren werden dann ganz individuell nach Kundenwunsch geplant.

Beispiel Tansania

Mit unserem Kooperationspartner Mamuya Safaris könnt Ihr einen unvergesslichen Urlaub in Tansania in Ostafrika erleben. Das Unternehmen wird geführt von Elibariki Mamuya und seiner deutschen Frau, Daniela Geier. Elibariki, vom Stamm der Wachagga hat Tourismusmanagement studiert und ist ein äußerst erfahrener Reiseleiter. Daniela war in Deutschland als Modellmacherin für Modelabels tätig und managed das Familienunternehmen. Auch hier habt ihr die Möglichkeit ganz individuelle Touren zusammenstellen.

Nachhaltiges Reisen bietet einen Gewinn für Alle

Mit diesen Tipps können Sie Ihre Reise trotz Hin- und Rückflug nachhaltiger und fairer gestalten als mit der Buchung über große Reisekonzerne. Außerdem lernen Sie aus erster Hand Land und Leute kennen und erleben spannende Abenteuer, von dem Sie selbst in den besten Reiseführern noch nicht gelesen haben. So werden Sie die unvergesslichsten Geschichten zu erzählen haben.

Darüber hinaus lassen sich Wissenslücken schließen und das Verständnis für die Kultur des Urlaubsortes verbessern. Vielleicht bekommen Sie auch ein Gefühl davon, in welchem Bezug der Ort zu Ihrem Heimtatland steht. Sie können nach dem Urlaub mit Ihren Gastgebern in Verbindung bleiben oder engagieren sich bei Solidaritätsprojekten von Menschen aus dem Gastland in Ihrer Heimat. So entsteht ein echter kultureller Austausch und die Reise ist mehr als nur ein einfaches Konsumgut.