Es gibt Reisen, bei denen nicht ein einzelnes Reiseziel im Mittelpunkt steht, sondern die schönsten Highlights entlang der Route. Genau so entstand unsere dreiwöchige Campertour durch Südbayern, Südtirol und das Trentino. Vom Märchenschloss Neuschwanstein über die spektakulären Dolomiten bis zum Gardasee führte uns die Route zu einigen der beeindruckendsten Landschaften der Alpen. Unterwegs erwarteten uns ikonische Aussichtspunkte, aussichtsreiche E-Bike-Touren, glasklare Bergseen und überraschende Entdeckungen abseits der bekannten Touristenpfade.
Schloss Neuschwanstein – Der perfekte Auftakt
Für eine Campertour planen wir die Tagesetappen bewusst kurz. Vier bis fünf Stunden Fahrzeit reichen völlig aus, um unterwegs noch genügend Zeit für spontane Stopps und Besichtigungen zu haben.
Über die App „Brauereien mit Wohnmobil“ fanden wir einen Stellplatz am Schlossbrauhaus Schwangau. Direkt neben dem Brauhaus befinden sich mehrere kostenfreie Stellplätze. Von dort lässt sich Schloss Neuschwanstein bequem mit dem E-Bike erreichen.
Die Auffahrt zur Marienbrücke führt teilweise über steile Schotterwege, ist mit einem E-Bike jedoch problemlos zu bewältigen. Bei unseren früheren Besuchen war die Brücke jedes Mal gesperrt. Diesmal konnten wir den berühmten Blick auf Schloss Neuschwanstein endlich selbst genießen. Trotz der vielen Besucher zählt der Ausblick für uns zu den schönsten Fotomotiven Deutschlands.
Den Tag ließen wir anschließend im Schlossbrauhaus ausklingen. Ein klassisches Schnitzel mit Kartoffelsalat, ein hervorragendes Bier und die Übertragung des WM-Spiels Deutschland gegen Curaçao auf Großbildleinwänden sorgten für einen gelungenen Auftakt unserer Reise.
Campertour über den Fernpass ins Grödnertal
Am nächsten Morgen starteten wir früh in den Tag. Für das Frühstück legten wir einen kurzen Stopp am Rasthaus Zugspitzblick ein. Ausreichend Parkplätze und der Blick auf Deutschlands höchsten Berg machten die Pause zu einem gelungenen Start in den Reisetag.
Anschließend verzichteten wir bewusst auf die Brennerautobahn und fuhren über die alte Brennerstraße. Die Strecke spart bei einer Campertour nicht nur Mautkosten, sondern bietet auch deutlich reizvollere Ausblicke als die Autobahn.
Unser Ziel war St. Ulrich im Grödnertal. Als Ausgangspunkt für die nächsten Tage wählten wir einen Stellplatz am Gästehaus Pontives, das neben Gästezimmern auch Stellplätze für Camper anbietet. Die Nähe zu den Seilbahnen machte den Platz zum idealen Ausgangspunkt für unsere Touren auf die Seceda und den Raschötz.
Am Abend erkundeten wir noch St. Ulrich und kauften bereits die Tickets für die Seilbahn. So konnten wir am nächsten Morgen ohne Wartezeit direkt starten.
Seceda und Raschötz
Die Seceda zählt heute zu den bekanntesten Ausflugszielen der Dolomiten. Entsprechend groß war der Besucherandrang bereits am frühen Morgen. Gäste aus aller Welt warteten auf die erste Seilbahn – besonders viele Amerikaner sowie Reisegruppen aus China und Japan.
Der Panoramaweg zum berühmten Aussichtspunkt ist inzwischen nur noch durch ein Drehkreuz erreichbar, für das zusätzlich fünf Euro verlangt werden. Wir verzichteten bewusst darauf, denn der Blick auf den markanten Bergkamm ist bereits wenige Meter davor nahezu identisch.
Stattdessen wanderten wir über die Troier Hütte weiter zur Baita Daniel. Offenbar kommen viele Besucher ausschließlich für das bekannte Fotomotiv, denn schon nach wenigen Minuten wurde es deutlich ruhiger. Zwischen Almwiesen und den markanten Gipfeln der Geislergruppe zeigt sich die Seceda von ihrer schönsten Seite.
Nach der Rückfahrt mit der Seilbahn tauschten wir die Wanderschuhe gegen unsere E-Bikes und fuhren hinauf auf den Raschötz. Im Gegensatz zur Seceda dominieren hier sanfte Almwiesen und ein beeindruckendes 360-Grad-Panorama über die Dolomiten. Die rasante Abfahrt zurück nach St. Ulrich bildete den perfekten Abschluss eines erlebnisreichen Tages.
Campertour: Mit dem E-Bike zu den Cadini di Misurina
Nach zwei erlebnisreichen Tagen im Grödnertal führte uns unsere Campertour weiter zum Misurinasee. Unser Ziel war einer der bekanntesten Fotospots der Dolomiten – die Cadini di Misurina.
Gegen 11 Uhr erreichten wir den Camping alla Baita und hatten Glück. Gerade noch rechtzeitig konnten wir den letzten freien Stellplatz ergattern. Die Lage des Campingplatzes ist ideal, denn die Zufahrtsstraße zur Auronzohütte – dem Ausgangspunkt für Wanderungen zu den Cadini di Misurina und den Drei Zinnen – beginnt praktisch direkt vor der Tür.
Eigentlich wollten wir die Auffahrt am nächsten Morgen mit dem Shuttlebus oder unserem Camper bewältigen. Nach kurzer Überlegung entschieden wir uns jedoch für unsere E-Bikes.
Die rund acht Kilometer lange Bergstraße ist stellenweise steil, mit Motorunterstützung jedoch gut zu bewältigen. Nach etwa einer halben Stunde erreichten wir die Auronzohütte. Da wir den Aufstieg bereits geschafft hatten, beschlossen wir spontan, auch gleich die Wanderung zum berühmten Aussichtspunkt der Cadini di Misurina anzuschließen.
Der Weg ist weder besonders lang noch technisch schwierig, verlangt auf den letzten Metern jedoch etwas Trittsicherheit. Der Blick auf die markanten Felstürme zählt für uns zu den eindrucksvollsten Panoramen der Dolomiten und entschädigt für jeden Höhenmeter.
Campertour nach Sexten – Reinhold Messner Haus
Bereits ein Jahr zuvor hatten wir während eines Hotelaufenthalts im OLM Nature Escape Reinhold Messner kennengelernt. Damals erzählte er uns begeistert von seinem neuen Reinhold Messner Haus auf dem Helm. Seitdem stand ein Besuch ganz oben auf unserer Wunschliste und ließ sich im Rahmen unserer Campertour realisieren.
Im Sextental gibt es nur wenige Campingmöglichkeiten. Unsere Wahl fiel auf den Caravan Park Sexten. Mit 80 bis 90 Euro pro Nacht gehört er zwar zu den teuersten Campingplätzen unserer Reise, überzeugt aber mit großzügigen Stellplätzen, einer hervorragenden Ausstattung und einer traumhaften Lage mitten in den Sextner Dolomiten.
Den ersten Tag nutzten wir für eine ausgedehnte E-Bike-Tour über Bergstraßen und Almen. Anschließend genossen wir den großzügigen Wellnessbereich – die perfekte Erholung nach den sportlichen Etappen der vergangenen Tage.
Am nächsten Morgen ging es mit den E-Bikes hinauf auf den Helm. Das neue Reinhold Messner Haus beeindruckt nicht nur durch seine außergewöhnliche Architektur, sondern vermittelt auch eindrucksvoll Messners Sicht auf das Bergsteigen und den respektvollen Umgang mit der Natur.
Ein besonderes Highlight erwartete uns am Nachmittag. Beim Berggespräch diskutierten Reinhold Messner, Peter Habeler und Rudi Hipp über den zunehmenden Massentourismus am Mount Everest. Drei Persönlichkeiten, die den Alpinismus über Jahrzehnte geprägt haben, gemeinsam auf einer Bühne zu erleben, war ein außergewöhnliches Erlebnis.
Campertour nach Villnöss – Auf zur Geisler Alm
Nach drei Tagen in Sexten führte uns unsere Campertour weiter ins Villnösstal. Obwohl wir die Region bereits mehrfach besucht hatten, zählt sie für uns zu den schönsten Landschaften Südtirols.
Von unserem Stellplatz aus fuhren wir mit den E-Bikes rund zehn Kilometer hinauf zur Geisler Alm. Die Auffahrt verlangt etwas Kondition, belohnt aber mit einem der schönsten Ausblicke auf die Geislerspitzen. Auch nach mehreren Besuchen verliert dieser Ort für uns nichts von seiner Faszination.
Für eine schöne Überraschung sorgte ein Wiedersehen mit Bekannten, die wir ein Jahr zuvor im OLM Nature Escape kennengelernt hatten. Über Facebook hatten sie gesehen, dass wir gerade im Villnösstal unterwegs waren, und schlugen kurzerhand eine gemeinsame Wanderung vor.
Gemeinsam erkundeten wir die Wege rund um St. Magdalena, tauschten Reiseerlebnisse aus und ließen den Abend bei einem gemütlichen Essen ausklingen. Nach der Wanderung und der E-Bike-Tour fielen wir erschöpft, aber glücklich in unseren Alkoven.
Drei entspannte Tage im Trentino
Nach den vielen Wanderungen und E-Bike-Touren war es Zeit für eine kleine Pause. Über die App „Winzer mit Wohnmobil“ entdeckten wir das Reven Farm Guest House, ein kleines Agriturismo, das neben Gästezimmern auch Stellplätze für Camper anbietet.
Zwischen Weinbergen und Olivenbäumen fanden wir genau die Ruhe, die wir gesucht hatten. Ein schöner Pool, schattige Liegeplätze und hervorragende Weine machten das Anwesen zum idealen Ort für eine kleine Auszeit.
Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben. Am Ende wurden daraus drei Tage. Neben der Erholung nutzten wir die Zeit, um Fotos zu bearbeiten, Berichte zu schreiben und Kundenanfragen zu beantworten. Dank des schnellen WLANs ließ sich Arbeit und Entspannung hier perfekt miteinander verbinden.
Rückblickend war das Reven Farm Guest House weit mehr als nur ein Zwischenstopp. Es war einer dieser Orte, an denen man spontan länger bleibt, weil einfach alles passt.
Ledrosee und Garda by Bike – Traumradweg mit ungeplantem Zusatztraining
Nach der kleinen Auszeit im Trentino zog es uns weiter an den Gardasee. Einer der Hauptgründe war die neue Ciclovia del Garda, besser bekannt als Garda by Bike. Den spektakulären Radweg wollten wir unbedingt selbst ausprobieren.
In Riva del Garda angekommen, merkten wir jedoch schnell, dass uns die hochsommerlichen Temperaturen zu schaffen machten. Kurzerhand änderten wir unsere Pläne und fuhren weiter zum Ledrosee. Eine Entscheidung, die wir keine Minute bereuten.
Auf rund 650 Metern Höhe war es deutlich angenehmer als am Gardasee. Der glasklare Bergsee lud jeden Morgen zu einer erfrischenden Schwimmrunde ein – für uns der perfekte Start in den Tag.
Für unsere Tour auf der Garda by Bike ging es zunächst rund 16 Kilometer mit den E-Bikes bergab nach Riva del Garda. Von dort folgten wir dem spektakulären Radweg bis nach Limone sul Garda. Auch wenn die Strecke noch nicht vollständig fertiggestellt ist, gehört der bereits eröffnete Abschnitt zu den schönsten Radwegen Italiens. Besonders beeindruckend sind die über dem Wasser verlaufenden Passagen mit herrlichen Ausblicken auf den Gardasee.
Für den Rückweg wählten wir das Schiff zurück nach Riva del Garda. Eigentlich wollten wir anschließend bequem mit dem Linienbus zurück zum Ledrosee fahren. Daraus wurde allerdings nichts – der Busfahrer verweigerte die Mitnahme unserer Fahrräder. Also blieb nur eine Alternative: die komplette Strecke wieder bergauf. Nicht unbedingt das, was wir geplant hatten, rückblickend aber eine Anekdote, über die wir heute gerne schmunzeln.
Idrosee – Klein, ruhig und überraschend schön
Nach den sportlichen Tagen am Gardasee suchten wir noch einmal bewusst die Ruhe. Unsere Wahl fiel auf den Idrosee, der deutlich weniger bekannt ist als sein großer Nachbar.
Auf dem Weg dorthin entdeckten wir einen kleinen Wasserfall mit natürlichem Badebecken – die perfekte Gelegenheit für eine erfrischende Abkühlung an einem heißen Sommertag.
Direkt am Idrosee fanden wir einen kleinen Campingplatz mit einem ausgezeichneten Restaurant. Viel Programm braucht es hier nicht. Wir umrundeten den See mit den E-Bikes, genossen die entspannte Atmosphäre und verbrachten zwei ruhige Tage direkt am Wasser.
Gerade diese kleinen Orte bleiben oft besonders lange in Erinnerung. Der Idrosee ist vielleicht kein klassisches Highlight, dafür aber der perfekte Ort, um eine Reise bewusst zu entschleunigen.
Knottnkino und Salten – Ein würdiger Abschluss
Bevor wir die Heimreise antraten, führte uns unsere Route noch einmal zurück nach Südtirol. Ziel war das Knottnkino bei Vöran, das schon lange auf unserer Wunschliste stand.
Für die letzten beiden Nächte fanden wir einen kleinen Bauernhof, der Stellplätze für Camper vermietet. Für nur fünf Euro pro Nacht konnten wir hier kaum etwas falsch machen. Umso größer war die Überraschung: Zum Hof gehörte einer der schönsten Natur-Schwimmteiche, die wir auf unseren Reisen kennengelernt haben. Als Gäste durften wir ihn selbstverständlich ebenfalls nutzen.
Vom Stellplatz aus erreichten wir das Knottnkino nach einem kurzen Spaziergang. Die dort aufgestellten Kinosessel richten den Blick auf eine der schönsten „Leinwände“ Südtirols: das Panorama über das Etschtal bis zu den Dolomiten. Ein Ort, an dem man automatisch länger sitzen bleibt als geplant.
Zum Abschluss unserer Reise unternahmen wir noch eine ausgedehnte E-Bike-Tour über den Salten, Europas größte zusammenhängende Lärchenhochfläche. Sanfte Almwiesen, ruhige Wege und fantastische Ausblicke bildeten den perfekten Kontrast zu den viel besuchten Hotspots der vergangenen Wochen.
Am nächsten Morgen machten wir uns schließlich über München auf den Heimweg.
Fazit:
Drei Wochen, rund 2.000 Kilometer und unzählige Eindrücke liegen hinter uns. Beeindruckende Berglandschaften, spektakuläre Aussichtspunkte und glasklare Seen machten diese Campertour zu einer unserer schönsten Reisen der vergangenen Jahre.
Besonders begeistert hat uns die Mischung aus bekannten Sehenswürdigkeiten wie Schloss Neuschwanstein, der Seceda oder den Cadini di Misurina und den vielen kleinen Entdeckungen entlang der Strecke. Ob ein idyllisches Agriturismo im Trentino, ein ruhiger Campingplatz am Idrosee oder der Natur-Schwimmteich bei Vöran – oft waren es gerade diese ungeplanten Stopps, die unsere Reise besonders gemacht haben.
Wer die Alpen mit dem Camper entdecken möchte, findet auf dieser Route eine abwechslungsreiche Kombination aus beeindruckenden Landschaften, aussichtsreichen E-Bike-Touren und entspannten Campingplätzen.

















