Hoch über den Weinbergen des Rheingaus liegt das WALD.WEIT Rheingau Hotel & Retreat. Wir verbrachten drei Nächte in dem außergewöhnlichen Hotel oberhalb von Kiedrich und erkundeten von hier aus mit unseren E-Bikes eine Region, die uns überraschend gut gefallen hat.
Vom früheren Ferienzentrum zum WALD.WEIT Rheingau Hotel
Das WALD.WEIT liegt auf einem Hochplateau, auf dem bereits in den 1960er Jahren ein Ferienzentrum entstand. Nach wechselnder Nutzung und längerem Leerstand wurde das Gelände neu entwickelt. Im Februar 2025 öffnete schließlich das WALD.WEIT seine Türen – ein modernes Hotel mit 80 Zimmern und Suiten, umgeben von rund 18 Hektar eigenem Wald. Das Konzept verbindet Natur, Architektur, Genuss und aktive Erholung. Gleichzeitig machen großzügige Veranstaltungsräume das Hotel für Tagungen, Firmenveranstaltungen und Hochzeiten interessant.
Was macht das WALD.WEIT im Rheingau so besonders?
Uns beeindruckte zunächst die Architektur. Das moderne Gebäude liegt exponiert auf dem Hochplateau und fügt sich durch Holz, Naturstein, warme Farben und große Glasflächen dennoch gut in seine Umgebung ein.
Besonders gelungen ist die Verbindung zwischen Innen und Außen. An vielen Stellen fällt der Blick durch bodentiefe Fenster direkt in den Wald oder weit über den Rheingau. Schon die Lobby vermittelt dieses Gefühl sehr gut. Man betritt das Hotel und schaut fast automatisch hinaus in die Landschaft.
Das WALD.WEIT wirkt hochwertig und modern. Dabei stehen vor allem Natur, Weite und eine entspannte Atmosphäre im Mittelpunkt.
Wie kommt man zum WALD.WEIT?
Das WALD.WEIT liegt etwas abgeschieden. Aufgrund der Lage ist die Anreise mit dem Auto am bequemsten. Mit der Bahn fährt man bis Eltville und von dort per Taxi oder Transfer weiter. Wir reisten mit unserem Camper an, da sich unsere E-Bikes damit am besten transportieren lassen. Dadurch gestaltete sich die Parkplatzsuche zunächst etwas schwieriger. Gerade am Wochenende ist rund um das Hotel einiges los, denn viele Mountainbiker kommen wegen der Flowtrails hierher.
Der Empfang war ausgesprochen freundlich. Unsere Suite war noch nicht fertig. Also E-Bikes vom Camper genommen und gleich zur ersten Tour durch den Rheingau gestartet.
Wie wohnt man im WALD.WEIT?
Wir wohnten in einer rund 43 Quadratmeter großen Superior Junior Suite. Gerade aufgrund der großzügigen Raumaufteilung würden wir diese Kategorie jederzeit wieder wählen.
Ein großes Bett mit direktem Blick über den Rheingau, eine gemütliche Sofa-Ecke, bodentiefe Fenster und ein eigener Balkon sorgen für einen angenehm wohnlichen Charakter. Besonders schön ist natürlich der Ausblick. Morgens die Vorhänge öffnen und mit einem Espresso vom Bett aus in die Landschaft schauen. Wir lieben das!
Bei den Zimmerkategorien würden wir auf Größe und Lage achten. Einige der normalen Zimmer erschienen uns recht kompakt. Gerade in den unteren Etagen könnte dadurch schnell ein etwas beengteres Raumgefühl entstehen.
Wie ist das Frühstück im WALD.WEIT?
Das Frühstück überzeugte uns mit einer sehr großen Auswahl, guter Qualität und einer ansprechenden Präsentation. Zusätzlich zum Buffet können verschiedene Gerichte à la carte bestellt werden. Dazu gehören beispielsweise Eggs Benedict und Omeletts sowie vegane und weitere herzhafte Optionen. Serviert wird stilvoll auf Rosenthal-Geschirr.
Ein kleiner Tipp für Kaffeeliebhaber: Standardmäßig bekommt man Kaffee aus dem Automaten. Wer lieber einen guten Espresso aus dem Siebträger möchte, sollte diesen ausdrücklich bestellen. Das lohnt sich. Auch verschiedene Tees stehen zur Auswahl.
WALD.FEIN – vom Rheingau in die „Große Welt“
Natürlich wollten wir auch das Restaurant WALD.FEIN ausprobieren. Küchenchef Falk Richter setzt auf einen Farm-to-Table-Ansatz mit saisonalen Produkten und Zutaten, die von Garten, Wald und Wiesen rund um das Hotel inspiriert sind. Regionale Partner und eine auf den Rheingau ausgerichtete Weinauswahl ergänzen das Konzept. Schon die ungewöhnliche Speisekarte macht neugierig. Die Menüs tragen Namen wie „Grüner Garten“, „WaldWiese“, „Pfifferlings Duft“ oder „Große Welt“.
Unser Dinner begann mit verschiedenen, ausgesprochen leckeren Brotsorten, Olivenöl, Kräuterbutter und Salz. Es folgte eine Wildschwein-Praline als Gruß aus der Küche. Danach probierten wir unter anderem eine Pfifferlingssuppe mit Schweinebauch, Schwarzbier und Zwiebeln sowie einen grünen Salat mit Früchten und Himbeerdressing.
Bei den Hauptgerichten entschieden wir uns für Flank Steak mit Kohlrabi und Oliven sowie Steinbutt mit Alge, Beurre Blanc, Apfel und Oliven. Auf ein Dessert verzichteten wir. Zum Abschluss überraschte uns das Team trotzdem noch mit zwei leckeren Kaffeetrüffeln.
Trotz des großen Andrangs an diesem Samstagabend war der Service ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Manches dauerte zwar etwas länger, was angesichts des gut gefüllten Restaurants aber nachvollziehbar war.
Was kostet ein Dinner im WALD.FEIN?
Preislich ist das WALD.FEIN ambitioniert. Bei unserem Besuch kosteten die Menüs zwischen 73 Euro für drei und 114 Euro für fünf Gänge. Für die Weinbegleitung zum Fünf-Gänge-Menü kamen nochmals 38,50 Euro hinzu. Mit weiteren Getränken kann ein Dinner für zwei Personen damit schnell über 300 Euro liegen. Das sind Regionen, die man auch aus der Sternegastronomie kennt. Geschmacklich hat uns der Abend allerdings sehr überzeugt.
Unser Lieblingsplatz: hoch oben auf dem Dach
Zu unseren Lieblingsplätzen gehörte eindeutig das Dach. Hier befinden sich die Rooftop-Bar WALD.TROPFEN und die Saunakabinen. Auf den Liegen kann man wunderbar entspannen und dabei den Blick über den Rheingau genießen. Gerade nach einer längeren E-Bike-Tour war das für uns der perfekte Platz.
Das Publikum haben wir als angenehm gemischt erlebt. Am Wochenende waren viele Paare im Hotel und es finden regelmäßig Hochzeiten statt. Unter der Woche spielen Tagungen und Firmenveranstaltungen eine größere Rolle. Bei unserer Abreise war das Hotel für eine Firmenveranstaltung komplett ausgebucht.
Wellness im WALD.WEIT – da kommt noch einiges
Beim Thema Wellness sollte man momentan mit den richtigen Erwartungen anreisen. Auf dem Dach gibt es derzeit zwei kleine Saunen und eine Infrarotkabine. Bei schlechtem Wetter steht zusätzlich ein kleiner geschützter Container zur Verfügung. Für ein Hotel dieser Kategorie ist das Wellnessangebot aus unserer Sicht aktuell noch recht überschaubar.
Das soll sich aber 2027 ändern. In einem Neubau entsteht ein großer Spa-Bereich mit Innen- und Außenflächen, Infinitypool, Naturbadeteich, weiteren Saunen, Ruhebereichen und Panorama-Gym. Nach Fertigstellung dürfte sich das WALD.WEIT damit deutlich stärker als Wellnesshotel positionieren.
Sehenswürdigkeiten rund um das WALD.WEIT erkunden
Viele der schönsten Sehenswürdigkeiten des Rheingaus lassen sich vom Hotel hervorragend mit dem E-Bike, Auto oder teilweise auch zu Fuß erreichen. Unsere E-Bikes mitzunehmen, war eine gute Entscheidung. Direkt vom WALD.WEIT kann man durch Wälder und Weinberge in praktisch alle Richtungen starten. Das Fahrradnetz im Rheingau hat uns positiv überrascht.
Unsere Touren waren meist zwischen 40 und 50 Kilometer lang. Mal ging es entspannt am Rhein entlang, mal wurde es in den Weinbergen und Wäldern deutlich anspruchsvoller. Gerade bei den teilweise kräftigen Steigungen ist ein E-Bike natürlich angenehm.
Eine Tour führte uns über Kloster Eberbach, Schloss Vollrads durch die Weinberge bis nach Rüdesheim und zurück über Eltville und Kiedrich zum Hotel. Eine weitere Tour führte am Rhein entlang in Richtung Wiesbaden und Mainz.
Besonders gut gefiel uns die Abwechslung aus Waldwegen, Weinbergen, kleinen Weinorten und entspannten Abschnitten am Rhein. Dazu entdeckt man unterwegs immer wieder Weingüter, Gutsschänken und Weinprobierstände. Das erinnerte uns ein wenig an die Pfalz, in der wir ebenfalls gerne unterwegs sind. Nach unserem Aufenthalt steht jedenfalls fest, dass wir künftig häufiger in den Rheingau kommen werden.
Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, findet ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten. Der Rheinsteig und der Rheingauer Klostersteig führen durch Wälder und Weinberge zu historischen Orten und schönen Aussichtspunkten.
Flowtrails, Fahrradkeller und Bike-Waschstation
Mountainbiker finden direkt am WALD.WEIT 5 verschiedene Flowtrails im Wald. Unterschiedliche Strecken und Schwierigkeitsgrade sorgen dafür, dass hier nicht nur Hotelgäste unterwegs sind. Gerade am Wochenende war entsprechend viel Betrieb.
Sehr positiv überrascht hat uns auch die Fahrradinfrastruktur im Hotel. Im Fahrradkeller gibt es Möglichkeiten für kleinere Reparaturen und Einstellungen. Direkt davor befindet sich sogar eine Waschstation für die Bikes.
Nach einer Tour über Wald- und Schotterwege ist das ausgesprochen praktisch. Einen derart gut ausgestatteten Fahrradbereich findet man selbst in manchen ausgewiesenen Bikehotels nicht.
Kloster Eberbach – Geschichte zwischen Wald und Wein
Zu unseren Highlights gehörte das nahe gelegene Kloster Eberbach. Die ehemalige Zisterzienserabtei wurde im 12. Jahrhundert gegründet und spielte über Jahrhunderte eine wichtige Rolle für den Weinbau im Rheingau.
Die weitläufige Anlage mit ihren historischen Gebäuden und Kellern ist ausgesprochen sehenswert. Bekannt wurde Kloster Eberbach zusätzlich als Drehort des Films „Der Name der Rose“ mit Sean Connery. Vom WALD.WEIT lässt sich das Kloster wunderbar in eine Fahrrad- oder Wandertour integrieren.
Kiedrich – das Schatzkästlein der Gotik
Direkt unterhalb des Hotels liegt der kleine Weinort Kiedrich. Besonders sehenswert ist die Basilica minor St. Valentinus und Dionysius mit ihrer weitgehend erhaltenen gotischen Ausstattung. Ebenfalls einen Abstecher wert ist das traditionsreiche Weingut Robert Weil. Schon das historische Gutshaus mit seinem weitläufigen, sehr gepflegten Gelände hat uns ausgesprochen gut gefallen.
Rund um den historischen Marktplatz findet man Fachwerkhäuser, alte Höfe und das Renaissance-Rathaus. Über dem Ort erhebt sich außerdem die Burgruine Scharfenstein. Wer mit dem Fahrrad von Kiedrich zurück zum WALD.WEIT fährt, merkt allerdings schnell, warum das Hotel einen solchen Weitblick bietet – es geht ordentlich bergauf.
Eltville – Wein, Rosen und Rhein
Eltville verbindet Fachwerk, kleine Gassen, Wein und eine schöne Rheinpromenade. Wahrzeichen ist die Kurfürstliche Burg aus dem 14. Jahrhundert mit ihren bekannten Rosenanlagen.
Für Radfahrer ist die Lage besonders interessant. Von hier kann man entspannt am Rhein entlangfahren oder wieder hinauf durch die Weinberge in Richtung Kiedrich starten. Gerade diese Mischung aus Fluss und Weinbergen macht die Region so abwechslungsreich.
Schloss Vollrads – Riesling inmitten der Weinberge
Schloss Vollrads bei Oestrich-Winkel gehört zu den traditionsreichsten Weingütern des Rheingaus. Schon die Anfahrt mit dem Fahrrad durch die Weinberge ist wunderschön.
Das Schloss mit seinem markanten Wohnturm, dem kleinen See, dem Herrenhaus und den umliegenden Weinbergen wirkt fast wie aus einem Bilderbuch. Natürlich dreht sich hier vieles um den Riesling. Ein wunderbarer Ort für eine kleine Pause.
Rüdesheim – Rheinromantik und Weinberge
Natürlich durfte auch Rüdesheim nicht fehlen. Der bekannte Weinort mit seiner Drosselgasse gehört zu den meistbesuchten Zielen des Rheingaus.
Wer mehr Zeit hat, kann mit der Seilbahn über die Weinberge zum Niederwalddenkmal fahren. Von dort eröffnet sich ein fantastischer Blick über den Rhein und das Mittelrheintal. Mit dem E-Bike lässt sich Rüdesheim hervorragend in eine größere Tagestour integrieren.
Nachhaltigkeit im WALD.WEIT
Auch Nachhaltigkeit wurde bei der Entwicklung des Hotels berücksichtigt. Materialien der früheren Gebäude wurden teilweise wiederverwertet, Regenwasser wird für die Außenanlagen genutzt und für Heizung und Kühlung kommt unter anderem Geothermie zum Einsatz. Eine intelligente Gebäudesteuerung soll zusätzlich Energie sparen. Auch die Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten und Weingütern gehört zum Konzept.
Ein kleines Beispiel fiel uns direkt in unserer Suite auf. Während unseres Aufenthalts wurden die dort vorhandenen French-Press-Kaffeebereiter gerade gegen Kapselmaschinen ausgetauscht. Bei den Kapseln setzt das WALD.WEIT allerdings nicht auf klassische Aluminiumkapseln, sondern auf den Anbieter rezemo, der Kaffeekapseln aus Holzfasern herstellt. So zeigt sich der Nachhaltigkeitsgedanke auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten im Hotelalltag.
Wann ist die beste Reisezeit für das WALD.WEIT?
Der Rheingau gehört zu den klimatisch begünstigten Weinregionen Deutschlands. Für einen aktiven Aufenthalt eignen sich Frühjahr bis Herbst besonders gut. Im Sommer locken lange Abende und zahlreiche Weinprobierstände, besonders reizvoll sind Spätsommer und Herbst mit Weinlese und langsam wechselnden Farben in den Weinbergen. Sobald der neue Wellnessbereich fertiggestellt ist, dürfte das WALD.WEIT aber auch im Winter deutlich interessanter werden.
Unser Fazit zum WALD.WEIT Rheingau
Das WALD.WEIT ist für uns ein außergewöhnlicher Rückzugsort für Paare, Genießer und aktive Gäste. Besonders gut gefallen haben uns die Architektur, unsere großzügige Suite, der fantastische Weitblick, das Frühstück und unser Dinner im WALD.FEIN.
Ein echtes Highlight waren auch die E-Bike-Touren. Morgens ausgiebig frühstücken, anschließend 40 oder 50 Kilometer durch Wälder und Weinberge fahren, Sehenswürdigkeiten erkunden und danach auf dem Dach in die Sauna gehen und die Beine hochlegen – genau diese Kombination hat uns gefallen.
Noch ist nicht alles perfekt und beim Wellnessangebot besteht bis zur Fertigstellung des Neubaus noch Luft nach oben. Nach dem Ausbau dürfte das WALD.WEIT aber gerade als Wellnesshotel nochmals deutlich gewinnen.
Vor allem hat uns der Aufenthalt eine Region nähergebracht, die wir bislang viel zu selten besucht haben und nach diesen drei Tagen steht fest: Wir kommen wieder – ins WALD.WEIT und in den Rheingau.

















