Das Craveiral Farmhouse ist ein Ort, den man nicht einfach nur besucht – man versteht ihn erst richtig, wenn man dort ist. Unsere eigene Reise hierher begann nicht mit klassischer Recherche, sondern mit einer Begegnung. Auf einer Hotelveranstaltung in Frankfurt lernten wir Gründer Pedro Franca Pinto kennen. Im Gespräch erzählte er so überzeugend von seinem Projekt im Alentejo, dass bei uns sofort Begeisterung aufkam. Einige Wochen später stehen wir selbst im Craveiral.

Was ist das Craveiral Farmhouse?

Das Craveiral Farmhouse liegt bei São Teotónio, am Rand des Naturparks „Südwestlicher Alentejo und Costa Vicentina“. Auf rund 9 Hektar entstand kein klassisches Hotel, sondern ein kleines Dorf aus modernen Häusern – eingebettet in Natur, Felder und Pinienwälder.
Initiator des Projekts ist Pedro Franca Pinto, erfolgreicher Unternehmer und Anwalt aus Lissabon. Mit der Geburt seiner Kinder traf er eine bewusste Entscheidung: raus aus dem Hamsterrad und hin zu einem Leben, das mehr Sinn stiftet. Seine Idee war es, ein emotionales Vermächtnis zu schaffen und zu zeigen, dass man die Welt auch im Kleinen positiv verändern kann.

Heute ist er nicht nur Gründer des Craveiral, sondern auch „Chief Dreamer Officer“ von Belong – ein Konzept, das sich bereits am Eingang widerspiegelt: „Craveiral Farmhouse by Belong – Staying & Feeling“. Frei übersetzt bedeutet das so viel wie: ankommen, dazugehören und bewusst erleben.

Craveiral Farmhouse

Was macht das Craveiral so besonders?

Was sofort auffällt: Das Craveiral fühlt sich nicht wie ein Hotel an.

Die 38 Häuser verteilen sich locker über das Gelände. Man bewegt sich auf Holzstegen über kleine Feuchtbereiche und spaziert zwischen Wiesen, Gärten und schmalen Wegen. Viele Flächen bleiben bewusst naturbelassen. Der Boden ist nicht versiegelt, stattdessen sorgen Holzscheite und Totholzbereiche für Lebensraum – etwa für Insekten, Amphibien und andere Kleintiere, Nistplätze für Vögel und Fledermäuse sowie Rückzugsorte für weitere Arten. Ein kleiner Teich dient als zusätzliches Habitat. Was andernorts „aufgeräumt“ würde, hat hier eine klare ökologische Funktion.

Darüber hinaus arbeitet das Craveiral mit lokalen Künstlern und sozialen Projekten zusammen, unter anderem zur Unterstützung junger Menschen mit besonderen Bedürfnissen.

Man spürt: Nachhaltigkeit ist im Craveiral kein Marketingbegriff, sondern Teil des Konzepts und des Alltags. Viele Dinge fallen erst auf den zweiten Blick auf – und genau das macht den Unterschied.

Craveiral Farmhouse

Wie achtet man im Craveiral Farmhouse auf Nachhaltigkeit?

Je länger man hier ist, desto klarer wird: Hinter dem Konzept steckt ein durchdachtes System.
Ein Großteil der Energie wird über Solarpaneele erzeugt. LED-Beleuchtung, thermische Warmwasserbereitung und eine vollständig elektrische Küche helfen dabei, fossile Brennstoffe weitgehend zu vermeiden.
Auch die interne Mobilität ist elektrisch organisiert – inklusive eigener Ladestationen.
Beim Wasser setzt man auf Kreisläufe: Es stammt aus aufbereiteten Quellen und Stauseen, wird vor Ort gereinigt und zur Bewässerung wiederverwendet. Regenwasser wird gesammelt und ebenfalls genutzt. Der Anspruch ist klar: möglichst unabhängig und ressourcenschonend arbeiten.

Sauna Im Craveiral

Abfall & Kompost – nichts wird verschwendet

Ein eigenes Kompostzentrum verarbeitet täglich organische Abfälle zu natürlichem Dünger. Lebensmittelreste werden teilweise direkt an Tiere auf der Farm verfüttert. Einwegplastik wird weitgehend vermieden, stattdessen kommen Glasflaschen und Nachfüllstationen zum Einsatz.
Ein schönes Detail: Bei geringer Auslastung wird das Frühstück von Buffet auf À-la-carte umgestellt, um Überproduktion zu vermeiden.

Craveiral Farmhouse

Landwirtschaft & Küche – vom Feld auf den Teller

Ein Großteil dessen, was hier serviert wird, wächst direkt vor Ort. Bis zu 70 % der Produkte stammen aus eigener, biologischer Landwirtschaft, der Rest aus der direkten Umgebung. Fisch und Fleisch werden von lokalen Produzenten aus der Region und entlang der Alentejo-Küste bezogen. Cola oder Fanta sucht man hier vergeblich – dafür gibt es hausgemachte Säfte.

Auch das hausgebackene Sauerteigbrot überzeugt: der Duft, die knusprige Kruste, die Krume – genau so stellt man sich gutes Brot vor. Einmal durften wir beim Backen sogar über die Schulter schauen. Das Geheimnis des Sauerteig-Starters hat man uns aber leider nicht verraten.

Absolut empfehlenswert: Die Pizza aus dem Holzofen! Ein dünner Teigfladen, knusprig gebacken und mit frischen, besten Zutaten – ein Traum.

Pizza aus dem Holzofen

Wer möchte, kann sich Zutaten für den eigenen Salat direkt im Garten selbst ernten. Frischer geht es kaum. Besonders begeistert hat uns der Rucola – bissfest, intensiv und pfeffrig, fast schon scharf – mit einem Aroma, das wir so noch nie erlebt haben.

Sylwia Fath im Garten des Craveiral Farmhouse

Ein weiteres schönes Detail: Die Eier kann man sich morgens selbst beim Hühnerstall holen – für viele Stadtmenschen ein echtes Erlebnis.

Hühner im Craveiral

Nachhaltigkeit im Detail – auch im Alltag spürbar

Das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit endet hier nicht bei Energie oder Lebensmitteln, sondern zeigt sich in vielen kleinen Details im Alltag.

In den Häusern stehen Naturkosmetik-Produkte der portugiesischen Marke UNII by Organii bereit. Die Produkte basieren auf regionalen Inhaltsstoffen wie Olivenöl, Kräutern und Zitrusfrüchten und verbinden traditionelle Ansätze mit moderner Forschung.

Auch beim Kaffee zeigt sich dieser Ansatz. Zwar gibt es Kapsel-Espresso-Maschinen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt nachhaltig wirken. Tatsächlich kommen hier Kapseln von Café Joyeux zum Einsatz, die in Kooperation mit Nespresso hergestellt werden und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung unterstützen.
Der hauseigene Tee stammt teilweise aus eigenem Anbau und wird vor Ort per Hand in kleine Beutel abgefüllt.

Wie wohnt man im Craveiral Farmhouse?

Die weißen, einstöckigen Häuser sind modern und klar gestaltet, wirken aber gleichzeitig sehr warm und gemütlich. Viel Holz, Kork, Kunst und elegantes Design schaffen eine angenehme, ruhige Atmosphäre. Große Fenster lassen viel Licht herein und holen die Natur ins Innere, private Terrassen bieten Rückzug und Blick ins Grüne.

Je nach Bedarf gibt es unterschiedliche Kategorien – vom Studio bis zum großzügigen Haus mit mehreren Schlafzimmern oder privatem Pool.

Wir wohnen im „Owner’s House WeWood“, einem rund 85 m² großen Haus im Adults-Only-Bereich mit Zugang zu einem exklusiven Pool. Die Unterkunft ist auf komfortables Wohnen ausgelegt: Designmöbel von WeWood, eine voll ausgestattete Küche mit Smeg-Geräten sowie viele durchdachte Details sorgen für ein sehr stimmiges Gesamtbild.

Craveiral Wohnraum

Zu den besonderen Highlights gehören ein Bett mit Hästens-Matratze, eine NuSpa-Badewanne aus Kork (Green Good Design Award 2015), eine Dusche mit Massagedüsen sowie eine kleine Bibliothek.

Insgesamt merkt man schnell: Hier wurde nicht nur auf Design, sondern auch auf Wohnqualität geachtet – ideal für längere Aufenthalte oder eine entspannte Workation.

Craveiral Schlafzimmer

Kann man seinen Hund mitbringen?

Ja. Hunde sind hier nicht nur erlaubt, sondern wirklich willkommen. Das merkt man sofort, wenn man Charlie kennenlernt. Er ist der Haus- und Hofhund des Craveiral – gemütlich, etwas pummelig und mit einem Blick, dem man nur schwer widerstehen kann.

Wenn er nicht gerade entspannt neben der Rezeption in seinem Körbchen liegt, sitzt er gerne im Gastraum bei den Gästen. Dort beherrscht er eine ganz eigene Disziplin: Telekinese.
Sein Motto: „Wurst, komm zu mir.“ Und erstaunlich oft funktioniert es.

Hotel für Hunde / Charlie - Haushund

Wo liegt das Craveiral Farmhouse?

Craveiral liegt ruhig außerhalb von São Teotónio, eingebettet in eine ländliche Umgebung aus Feldern, Korkeichen und kleinen Wegen. Schon nach wenigen Minuten merkt man, wie entschleunigt es hier zugeht. Gleichzeitig ist die Lage ideal, um die Region zu erkunden. Die Costa Vicentina mit ihren wilden, oft noch unberührten Stränden ist schnell erreichbar – je nach Ziel in etwa 20 bis 40 Minuten. Orte wie Zambujeira do Mar, Odeceixe oder Vila Nova de Milfontes bieten eine schöne Mischung aus Natur, kleinen Restaurants und entspanntem Küstenleben.

Was uns besonders gefallen hat: Die Region wirkt ursprünglich, ruhig und angenehm wenig touristisch. Kein Vergleich zu den überlaufenen Hotspots im Süden – dafür mehr Weite, mehr Natur und vor allem mehr Ruhe.

Was kann man im Craveiral erleben?

Ein großer Teil des Aufenthalts spielt sich direkt auf dem Gelände ab.
Outdoor- und Indoor-Pool, Spa, Sauna, Yoga und kleine Workshops sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Auch unsere Tage ergaben sich hier ganz von selbst. Alles wirkt bewusst entspannt. Oder, wie man hier so schön sagt: You choose the way of your vacation.

Ein zentrales Element ist die Farm selbst. Bei Führungen bekommt man Einblicke in die Abläufe, besucht die Tiere und versteht besser, wie viele Dinge hier tatsächlich vor Ort entstehen. Für Kinder ist das ein Erlebnis – für Erwachsene oft ein Perspektivwechsel.

Ein Eselgehege gehört ebenso zum Gelände – und die Tiere machen sich durchaus bemerkbar. Ihr Rufen gehört hier aber einfach dazu und vermittelt das Gefühl, wirklich auf dem Land zu sein. Daneben gibt es Ziegen, darunter viele Jungtiere, die man sofort ins Herz schließt.

Ziegen im Craveiral

Auch die Hühner spielen eine besondere Rolle. Es geht nicht nur um frische Eier, sondern um ein bewusstes Erhaltungsprojekt: Hier werden mehrere portugiesische, stark gefährdete Rassen gehalten – darunter Amarela, Pedrês Portuguesa, Preta Lusitânia und Branca.

Gemeinsam mit einer landwirtschaftlichen Hochschule unterstützt das Craveiral die Wiederansiedlung dieser Rassen. Die Eier werden für Frühstück, Gebäck und Pasta verwendet und die Kreisläufe bewusst geschlossen – selbst die Eierschalen werden wiederverwertet.

Für Gäste bleibt vor allem ein schönes Erlebnis: Man kann sich morgens die Eier selbst beim Hühnerstall holen. Genau diese Mischung aus Natur, Leben und kleinen Begegnungen macht den Aufenthalt besonders.

Was kann man rund um das Craveiral unternehmen?

Die Region rund um das Craveiral ist ideal für alle, die gerne draußen unterwegs sind – ohne Trubel und ohne überlaufene Hotspots.
Surfen, Wandern, Reiten oder einfach lange Spaziergänge am Strand – alles ist machbar. Die Costa Vicentina zählt zu den ursprünglichsten Küstenabschnitten Portugals – rau, weit und beeindruckend.
Ein Besuchs-Tipp ist die Carvalhal Beach Nature Bar, die zum Craveiral gehört. Hier sitzt man entspannt mit Blick aufs Meer, während sich meterhohe Wellen an der Küste brechen.

Carvalhal Beach Nature Bar

Auch kulinarisch gibt es in der Umgebung einiges zu entdecken. Der Vicentino Wine Shop ist eine moderne Vinothek, in der man die Weine der Region probieren und mehr über den Anbau im Alentejo erfahren kann. Viele dieser Weine werden übrigens auch im Craveiral angeboten. In unserem Haus stand bei Ankunft sogar eine Flasche „Branco White“ bereit.

Vicentino Wine Shop

Wer tiefer in die regionale Genusskultur eintauchen möchte, sollte einen Abstecher zur Junior Jacques Distillery einplanen. Hier wird unter anderem Medronho gebrannt – ein traditioneller portugiesischer Obstbrand aus den Früchten des Erdbeerbaums.

Junior Jacques Distillery

Medronho ist kräftig, aromatisch und tief in der Kultur des Alentejo verwurzelt. Früher vor allem ein Getränk der Landbevölkerung, erlebt er heute eine kleine Renaissance. Wir haben uns zwei Flaschen mitgenommen und werden ihn zuhause in bester Erinnerung genießen.

Wie ist der Service im Craveiral?

Was uns ebenfalls sehr positiv aufgefallen ist: die durchgehend herzliche Atmosphäre im Team. Vom Empfang über den Service im Restaurant bis hin zu den Mitarbeitenden auf der Farm und im Housekeeping – überall begegnet man echter Freundlichkeit und einer angenehmen Professionalität. Man hat das Gefühl, dass hier alle mit Freude dabei sind und das Konzept auch selbst leben.

Fazit: Warum Craveiral mehr ist als ein schönes Hotel auf dem Land

Das Craveiral Farmhouse lebt von vielen kleinen Dingen. Von der Haltung, von den Details und von der Idee, dass Urlaub auch bewusst nachhaltig sein darf. Für uns ist es genau die Art von Urlaub, die wir gerne weiterempfehlen – außergewöhnlich, ruhig, durchdacht und nachhaltig im besten Sinne.