Indien ist laut, chaotisch, intensiv und gleichzeitig überwältigend. Unsere Rundreise durch Rajasthan und das Goldene Dreieck verband Geschichte, Paläste, Wüste und moderne Megacities. Auf dieser spannenden dreiwöchigen Tour erlebten wir Indien in seiner ganzen Vielfalt – vom chaotischen Delhi bis zu romantischen Seenstädten und luxuriösen Wüstencamps. Eine Reise, die anstrengend war, aber ungemein bereichernd.

Grundsätzliches zu Rajasthan und dem Goldenen Dreieck

Rajasthan gilt als das Land der Maharadschas. Jahrhunderte lang herrschten hier Rajputen-Fürsten, die prächtige Festungen, Paläste und Städte errichteten. Das Goldene Dreieck verbindet die Städte Delhi, Agra und Jaipur – drei der wichtigsten Kulturzentren Nordindiens. Diese Region war das Kernland der Moguln und Rajputen und prägt bis heute Indiens Architektur, Religion und Kultur. Indien kannten wir zuvor noch nicht – vor einigen Jahren wagten wir mit Sri Lanka, das oft als „Indien Light“ bezeichnet wird, einen ersten Einstieg in den Subkontinent. Umso spannender war es für uns, Rajasthan nun in seiner ganzen Intensität zu erleben. Man spürt hier Geschichte, Macht und Tradition an jeder Ecke.

Schlangenbeschwörer in Indien - Rajasthan Rundreise

Was macht Rajasthan und das Goldene Dreieck einzigartig?

Hier treffen Wüste und Seenlandschaften auf prachtvolle Paläste. Man erlebt hinduistische Tempel, islamische Mogularchitektur, farbenfrohe Märkte und wilde Naturparks. Tiger-Safaris, Wüstencamps, Palasthotels und jahrhundertealte Städte liegen oft nur wenige Stunden auseinander.

Musiker in Indien, Rajasthan Rundreise

Rundreise Rajasthan & Goldenes Dreieck: Highlights & Sehenswürdigkeiten

Delhi – Startpunkt unserer Tour

Delhi ist das Tor nach Indien und fühlte sich für uns wie ein Schlag ins Gesicht an – ein faszinierender Kulturschock. Alt und neu prallen hier aufeinander, bittere Armut und unfassbarer Reichtum liegen oft nur wenige Meter auseinander. Basare, Moscheen, Tempel und moderne Viertel existieren dicht nebeneinander. Die Stadt vereint Mogularchitektur, britische Kolonialbauten und moderne Hochhäuser. Die wichtigsten Highlights unseres viertägigen Aufenthalts in Delhi und dem Imperial New Delhi haben wir in einem eigenen Blogbeitrag zusammengefasst.

Jal Mahal, Wasserpalast in Jaipur, Rajasthan, Indien

Jaipur – die rosarote Stadt der Maharadschas

Jaipur ist die Hauptstadt Rajasthans und Teil des Goldenen Dreiecks. Die Stadt wurde im 18. Jahrhundert als geplante Hauptstadt erbaut und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Die Altstadt ist berühmt für ihre rosafarbenen Fassaden, die der Stadt ihren Beinamen gaben. Der Hawa Mahal, der Palast der Winde, ist eines der ikonischsten Bauwerke Indiens. Der Stadtpalast vereint Museen, Höfe und königliche Residenzen. Im Jantar-Mantar-Observatorium, ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe, bestaunten wir riesige astronomische Instrumente aus dem 18. Jahrhundert. Durch präzise Ausrichtung und Schattenwurf konnten Astronomen bereits damals Uhrzeit, Jahreszeiten und Himmelspositionen erstaunlich genau berechnen. Mit dem Jeep ging es hinauf zum Amber Fort, das auf einem Hügel thront und unter anderem beeindruckende Spiegelhallen bietet. Im Sheesh Mahal hängen so viele Spiegel, dass eine einzige Lampe den gesamten Saal ausleuchten konnte. Im Innenhof begegneten uns auch bunt bemalte Elefanten, auf denen Besucher reiten konnten – wunderschön anzusehen, aber aus heutiger Sicht würden wir davon eher abraten.

Hawa Mahal in Jaipur, Indien, Rajasthan Rundreise

Jantar-Mantar-Observatorium in Jaipur, Rajasthan Rundreise

Elefanten im Amber Fort, Jaipur, Rajasthan Rundreise

Bikaner – Karawanenstadt am Rand der Wüste in Rajasthan

Bikaner liegt im Norden Rajasthans und war einst ein wichtiger Knotenpunkt für Karawanen. Die Stadt ist bekannt für ihre Sandsteinarchitektur in Gelb- und Rottönen. Das Junagarh-Fort gehört zu den am besten erhaltenen Festungen Indiens und ist reich dekoriert. Innerhalb der Festung findet man Paläste, Museen und kunstvolle Innenhöfe. Die Altstadt ist ein Labyrinth aus Gassen, Havelis und kleinen Tempeln. Kühe, Kamele, Rikschas, Händler und leider auch sehr viel Müll prägen das Straßenbild. Bikaner ist weniger touristisch als Jaipur und vermittelt ein sehr authentisches Rajasthan-Gefühl. Die Stadt ist zudem berühmt für Süßigkeiten und Gewürze. Wir übernachteten im Narendra Bhawan Hotel, einem denkmalgeschützten Luxushotel, das einst als Wohnsitz des letzten amtierenden Maharadschas von Bikaner diente.

Junagarh Fort in Bikaner

Junagarh Fort in Bikaner, Rajasthan Rundreise

Narendra Bhawan in Bikaner, Rajasthan, Indien

Jaisalmer – die goldene Stadt in der Thar-Wüste

Jaisalmer liegt mitten in der Thar-Wüste und wirkt wie eine Märchenstadt aus Sand. Die gesamte Altstadt wird von einer riesigen Festung aus gelbem Sandstein überragt. Die Festung ist bis heute bewohnt und beherbergt Paläste, Tempel und Wohnhäuser. Die Jain-Tempel sind reich verziert und ein Meisterwerk indischer Steinmetzkunst. Die Havelis der Kaufleute zeigen filigrane Fassaden und kunstvolle Balkone. Besonders fasziniert hat uns das Patwon-ki-Haveli, dessen Bau Jahrzehnte dauerte. Von den Dachterrassen hat man spektakuläre Ausblicke auf die Wüste – leider war bei unserem Besuch die Luft so staubig, dass die Sonne oft verdeckt war. Ebenfalls äußerst eindrucksvoll ist Bada Bagh. Der Gedenkpark liegt etwas außerhalb von Jaisalmer und beherbergt kunstvolle Grabmonumente der Maharadschas. Besonders zum Sonnenuntergang entfaltet der Ort eine magische Stimmung, wenn die Sandsteinpavillons in warmen Farben leuchten.

Innenhof in Jaisalmer, Rajasthan, Indien

Bada Bagh, Jaisalmer, Rajasthan Rundreise

Jaisalmer, Indien

Wüste Thar – Sanddünen, Nomaden und Sternenhimmel

Die in Rajasthan erstreckt sich über weite Teile Westindiens und gehört mit über 200.000 Quadratkilometern zu den größten Wüstenregionen des Subkontinents. Sanddünen, Kamelkarawanen und kleine Dörfer prägen die Landschaft und vermitteln ein klassisches Wüstenbild. Trotz der extremen Bedingungen ist die Region seit Jahrhunderten besiedelt und Heimat nomadischer Hirten. Wir unternahmen eine Jeep-Safari durch die Dünen und erlebten die endlose Weite der Wüste sehr intensiv. Die Farben verändern sich je nach Tageszeit und sind besonders bei Sonnenuntergang spektakulär. Der Sternenhimmel war unheimlich klar und eines der schönsten Naturerlebnisse unserer Reise. Abends grillten wir am Lagerfeuer und erlebten eine Tanzshow mit traditioneller Musik. Ein starkes Kontrastprogramm zu den Städten Rajasthans, das wir besonders in unserem luxuriösen Zelt-Camp sehr genossen haben – Luxus geht also auch mitten in der Wüste.

Zelt-Camp in der Thar-Wüste

Stephan & Sylwia Fath, Thar Wüste, Indien

Tanzshow in der Thar Wüste

Jodhpur, Rajasthan – die blaue Stadt und das Mehrangarh-Fort

Jodhpur ist bekannt als die blaue Stadt Rajasthans. Viele Häuser sind blau gestrichen, was der Stadt ein einzigartiges Erscheinungsbild verleiht. Das Mehrangarh-Fort thront spektakulär auf einem Felsen über der Stadt und zählt zu den beeindruckendsten Forts Indiens. Von oben hat man einen der besten Panoramablicke in Rajasthan. Das Jaswant Thada, ein elegantes Marmormausoleum, liegt in unmittelbarer Nähe des Forts. Die Altstadt bietet Märkte, Gewürzstände und lebendige Gassen. Jodhpur war einst eine bedeutende Hauptstadt der Rajputen und verbindet heute Geschichte, Kultur und Fotomotive auf engstem Raum.

Jodpur, Indien - die blaue Stadt

Ranakpur, Rajasthan: Der Jain-Tempel – ein architektonisches Meisterwerk

Ranakpur liegt im Aravalli-Gebirge und ist berühmt für seinen Jain-Tempelkomplex. Der Tempel ist aus weißem Marmor gebaut und reich mit Schnitzereien verziert. Besonders beeindruckend sind die 1.444 Säulen, von denen keine identisch ist. Der Tempelkomplex liegt in einem grünen Tal und wirkt fast meditativ. Jainismus ist eine alte indische Religion mit Fokus auf Gewaltlosigkeit und Askese. Die Architektur kombiniert Spiritualität mit mathematischer Präzision. Ranakpur gilt als einer der schönsten Tempelorte Indiens, und die Umgebung bietet einen starken Kontrast zu den Großstädten. Ein Besuch ist ein Highlight für Kultur- und Architekturfans. Auf dem Weg nach Ranakpur besuchten wir zudem die Religionsgemeinschaft der Bishnoi, die seit Jahrhunderten nach strengen ökologischen und spirituellen Regeln lebt und als frühe Form des Umweltschutzes gilt.

Ranakpur Jain Tempel, Rajasthan, Indien

Ranakpur Adinath Tempel, Rajasthan, Indien

Deogarh – Palast über Hügeln und Seen

Deogarh ist ein kleines Dorf mit einem imposanten Palast auf einem Hügel. Das Deogarh Mahal diente jahrhundertelang als Residenz eines Maharadschas und ist heute ein Hotel in dem wir auch übernachteten. Von der Dachterrasse hat man einen weiten Blick über Seen, Felder und Berge. Die Region ist ländlich und wenig touristisch. Hier erlebt man Rajasthan abseits der klassischen Routen. Märkte, Dörfer und Zugfahrten durch die Landschaft geben authentische Einblicke. Deogarh steht für Ruhe, Tradition und Slow Travel. Von hier aus ging es für uns per Zug weiter.

Udaipur, Rajasthan – romantische Stadt der Seen

Udaipur wird oft als romantischste Stadt Indiens bezeichnet. Die Stadt liegt an mehreren Seen und wird von Palästen dominiert. Der Stadtpalast ist der größte Palastkomplex Rajasthans und ein architektonisches Highlight. Bei einer Bootsfahrt auf dem Pichhola-See besuchten wir die Insel Jag Mandir, die häufig als Event-Location genutzt wird und gerade für eine große Hochzeit vorbereitet war. Von hier aus bot sich ein spektakulärer Blick auf die Stadt und die Paläste. Der Jagdish-Tempel ist ein wichtiges religiöses Zentrum. Udaipur war die Hauptstadt des Mewar-Königreichs und Zentrum der Rajputen. Die Altstadt ist ein Labyrinth aus Gassen, Cafés und Boutiquen. Besonders eindrücklich waren die zahlreichen Hochzeiten: In ohrenbetäubender Lautstärke zogen Hochzeitsgesellschaften durch die Stadt, begleitet von Musikern, Lautsprecherwagen, Tanzgruppen sowie Kamelen und Pferden. Udaipur verbindet Geschichte, Romantik und Lifestyle auf besondere Weise.

Stadtpalast in Udaipur

Hochzeitsfeier in Udaipur vor dem Jagdish-Tempel

Ranthambore – Safari im Tiger-Nationalpark

Der Ranthambore-Nationalpark ist einer der bekanntesten Tigerparks Indiens. Er liegt am Rand des Aravalli-Gebirges und bietet abwechslungsreiche Landschaften. Neben Tigern leben hier Leoparden, Hirsche, Krokodile und zahlreiche Vogelarten. Die Ruinen alter Paläste und Tempel verleihen dem Park eine mystische Atmosphäre. Safaris finden im offenen Jeep oder Geländewagen statt. Die Chancen, Tiger zu sehen, sind hier vergleichsweise hoch und man glaubt es kaum – wir haben einen Tiger gesehen. Mit einem 600-er Tele konnten wir ihn – zwar ziemlich unscharf und pixelig – fotografieren. Ranthambore ist ein Highlight für Natur- und Wildlife-Fotografen. Ein Besuch gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen einer Indien-Rundreise.

Tiger im Ranthambore Nationalpark

Morgenstimmung im Ranthambore Nationalpark

Eine Zugfahrt in Indien

Eine Zugfahrt in Indien ist ein Erlebnis, das mit europäischen Maßstäben kaum zu vergleichen ist, aber unbedingt erlebt werden sollte. Wir fuhren mit einem recht rustikalen Zug von Sawai Madhopur nach Bharatpur. Die einfachen Waggons hatten vergitterte Fenster – weniger aus Sicherheitsgründen, sondern eher, um Tiere fernzuhalten. Durch die Gitter strömte warme Luft, was in den teilweise stickigen Abteilen überraschend angenehm war. An den Bahnhöfen lag der Geruch von Gewürzen und Rauch in der Luft, während Verkäufer Tee, Wasser und Snacks anboten. Die Strecke führte durch Berge, Täler, dichte Wälder und über Brücken und vermittelte einen intensiven Eindruck vom ländlichen Indien.

Zugfahrt von Sawai Madhopur nach Bharatpur

Stephan Fath, Sylwia Fath, Zugfahrt Indien Stephan Fath, Sylwia Fath - Zugfahrt Indien

Fatehpur Sikri – verlassene Mogulmetropole

Fatehpur Sikri war im 16. Jahrhundert die Hauptstadt des Mogulreiches. Die Stadt wurde von Kaiser Akbar erbaut und später wegen Wassermangels aufgegeben. Heute ist sie UNESCO-Weltkulturerbe und gleicht einem riesigen Freilichtmuseum. Sandsteinpaläste, Moscheen und Innenhöfe sind hervorragend erhalten. Die Architektur verbindet islamische, hinduistische und persische Elemente. Fatehpur Sikri zeigt eindrucksvoll die Macht und den Reichtum der Moguln. Die Große Moschee mit dem Buland Darwaza zählt zu den höchsten Toren der Welt und zieht entsprechend viele Besucher an. Das wiederum lockt zahlreiche selbsternannte Guides an, die oft sehr hartnäckig versuchen, ihre Dienste anzubieten.

Jama Masjid Fatehpur Sikri

Fatehpur-Sikri

Das Taj Mahal in Agra

Agra ist weltberühmt für das Taj Mahal, eines der schönsten Bauwerke der Welt und seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe. Das Mausoleum wurde im 17. Jahrhundert von Großmogul Shah Jahan als Liebesbeweis für seine früh verstorbene Frau Mumtaz Mahal errichtet. Über mehr als 20 Jahre hinweg arbeiteten Tausende Handwerker am Bau dieses vollkommen symmetrischen Marmordenkmals. Weißer Marmor, filigrane Intarsien aus Halbedelsteinen und streng angelegte Gärten machen das Taj Mahal einzigartig. Besonders bewegend ist die Geschichte dahinter: Shah Jahan ließ sich später selbst an der Seite seiner großen Liebe bestatten.
Ebenfalls sehenswert ist das Itimad-ud-Daula-Mausoleum, besser bekannt als Baby Taj. Das Agra Fort war einst das Machtzentrum der Mogulherrscher und beherbergt prächtige Paläste, Moscheen und weitläufige Höfe. Von hier aus soll Shah Jahan in seinen letzten Lebensjahren auf das Taj Mahal geblickt haben. Ein besonders schöner Fotospot ist der Mehtab Bagh mit Blick auf das Mausoleum bei Sonnenuntergang. Agra war eine der wichtigsten Städte des Mogulreiches und ist heute ein Pflichtstopp jeder Indien-Rundreise. Obwohl wir auf dieser Reise unheimlich viel gesehen und erlebt hatten, war der Besuch des Taj Mahal für uns der emotionale Höhepunkt. Von Agra aus ging es zurück nach Delhi, wo wir nachts nach Frankfurt zurückflogen.

Taj Mahal, Agra - Indien

Sylwia Fath (Urlaubsengel) Taj Mahal, Agra, Indien

Wie kommt ihr nach Rajasthan und ins Goldene Dreieck?

Der internationale Flughafen Delhi ist der wichtigste Einstiegspunkt. Von Europa gibt es Direktflüge oder Verbindungen über Dubai, Doha oder Istanbul. Innerhalb Indiens reist man per Inlandsflug, Zug oder Auto weiter. Für Rundreisen sind private Transfers oder Inlandsflüge besonders komfortabel.

Wetter in Rajasthan & beste Reisezeit

Rajasthan hat ein extremes Klima. Die Sommer sind sehr heiß mit Temperaturen über 40 Grad. Der Monsun dauert von Juni bis September und bringt hohe Luftfeuchtigkeit. Die beste Reisezeit ist von Oktober bis März mit angenehmen Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad. Diese Monate eignen sich ideal für Sightseeing, Safaris und Wüstenaufenthalte.

Händler in Indien

Fazit: Indien- & Rajasthan Rundreise als intensives Reiseerlebnis

Eine Rundreise durch Rajasthan und das Goldene Dreieck ist ein Kulturerlebnis der Extraklasse. Man erlebt Paläste, Wüste, Wildlife und Megacities auf relativ kleinem Raum und in kurzer Zeit. Kaum ein anderes Land bietet so viele Kontraste auf einer einzigen Route.